Die Geschichte der Korbwaren

Korbwaren werden in Handarbeit geflochten

In den letzten Jahren setzt sich immer mehr der Trend durch, dass man sich an die natürlichen Materialien erinnert und die Häuser gern mit Holz oder Kork verkleidet.  Marmor oder Granit kommt auf den Fußboden, Baumwolle und Leinen auf den Tisch und ins Bett und gerne isst man wieder traditionellem Keramikgeschirr. Mit wunderschön geflochtenen Korbwaren für Obst oder Gemüse, mit Blumen- und Pflanzgefäßen in allen Größen und Formen, mit Zeitungsständern und Weinkörben und vielerlei Möbelstücken, erhalten wir uns heutzutage ein modernes und natürliches Raumklima, das zeitgemäße Einrichtung und Tradition perfekt miteinander verbindet. Und das gilt für Korbwaren für den Innen-, sowie für den Außenbereich gleichermaßen.

Die Naturmaterialien für die Korbwaren, die hier verarbeitet werden, sind Rattan, Weide, Wasserhyazinthe, Farn, Seegras, Schilf oder Binse. Nicht nur Korbwaren, sondern auch Matten, Hüte oder Stuhlgeflechte werden in geschickter Handarbeit gefertigt. Die wohl bekannteste und am häufigsten verwendete Pflanze für das Herstellen von Korbwaren ist die Weide. Mancherorts verwendet man auch gerne Haselnuss-Ruten oder sogar Maisblätter, die zu widerstandfähigen Strohmatten verarbeitet werden. All diese wunderschönen Korbwaren vermitteln uns im und am Haus ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit und lassen uns auch manchmal an sonnige Urlaubstage denken.

Bereits unsere Vorfahren beherrschten schon seit der Jungsteinzeit (Neolithikum) weltweit das Flechten von Korbwaren. Korb- und Strohwaren stehen in der historischen Entwicklung gleich neben den Tongefäßen und gehören zu den ältesten Gebrauchsgegenständen. Die Menschen konnten das Material für ihre Korbwaren ja schließlich auch direkt in der Natur finden und benötigten nur noch Fantasie und Geschick, um ihre Korbwaren selbst zu flechten und so den Eigenbedarf zu decken. Im täglichen Leben der Menschen spielten damals Korbwaren und andere Geflechte eine sehr große Rolle.

Ab dem Neolithikum sind uns so manche Reste von Korbwaren in Feuchtgebieten oder Mooren erhalten geblieben. Bedeutende Korbwaren-Funde stammen meist aus römischer Zeit, vielerorts aus Brunnenschächten oder von Orten, die durch den Vesuvausbruch zerstört wurden. In Mesopotamien und Ägypten blieben Korbwaren dagegen durch das trockene Klima hervorragend erhalten.

Der Begriff „Korbwaren“ steht für sehr viele verschiedene Anfertigungen, die in vielfältigster Weise genutzt wurden, bzw. natürlich auch heute noch weltweit in unzähligen Bereichen verwendet werden. Den größten Anteil an Korbwaren-Artikeln haben hier wahrscheinlich die Körbe als solche, denn sie sind zum Transport und zur Aufbewahrung hervorragend geeignet.

Verschieden Korbwaren haben natürlich verschiedene Namen:

  • Die Kiepen haben Gurte, die auch aus Leder sein können und eignen sich ausgezeichnet für die Wein-, bzw. Obst-Ernte oder zum Transport von Feuerholz, da sie auf dem Rücken getragen werden.
  • In Korbschwingen wurde früher das Getreide von der Spreu gereinigt und daher spielte diese Variante der Korbwaren eine sehr große Rolle. Im Zuge der Industrialisierung haben die Korbschwingen heute keine Bedeutung mehr.
  • Bienenkörbe wurden früher aus Weide, Pfriemgras oder Rinden geflochten. Die Presskörbe für den Honig waren meist aus Weiden und ähnelten den Kelterkörben.
  • Flaschenkörbe aus Weiden, Binsen oder Stroh wurden zur Ummantelung von Glasflaschen oder Tonkrügen gebraucht. Auch Tonschalen wurden gerne mit einem Korbgeflecht umgeben.
  • Sehr dicht geflochtene Körbe wurden zur Herstellung von Käse verwendet. Die geronnene Milch wurde eingefüllt und die Molke konnte langsam abfließen. Diese Körbe wurden auch zum Einlegen von Gemüse verwendet, wobei das Gemüse in Salzlake gelegt wurde, die mit der Zeit abfloss.
  • Fischreusen aus Weidengeflecht halfen effektiv in der Fischerei.
  • Für das Angebot von Baguettes in Supermärkten wurde der extra hohe Baguettekorb entwickelt. Er hat an der Vorderseite zusätzliche Holzbügel. Man kann ihn selbstverständlich auch für andere Zwecke verwenden.
  • Der Katzenkorb erfreut sich nicht nur beim Tier von je her großer Beliebtheit.
  • In unserer modernen Zeit, wie auch zu Großmutters Zeiten, ist der Wäschekorb (Wäschepuff) nicht wegzudenken.

Den Wäschekorb gibt es als runden Korb mit Henkeln, überwiegend für die zu erledigende Wäsche genutzt, oder auch als Wäschetruhe für die Lagerung von trockener, sauberer Wäsche. Meist  sind Wäschekörbe luftdurchlässig gearbeitet, so dass in der Wäsche zurückgebliebene Feuchtigkeit entweichen kann. Oft haben die geflochtenen Körbe im Inneren einen Wäschesack aus Stoff befestigt, um die z. T. sehr feine Wäsche vor dem Flecht-Material zu schützen. So wie früher der Wäschekorb meistens aus Weide geflochten wurde, gibt es heute eine Vielzahl an alternativen Materialien, z. B. Metall, Holz, Stoff, Rattan oder Kunststoff. Zum Transport frisch gewaschener, also nasser Wäsche werden/wurden sogenannte Waschwannen benutzt.

Das schöne Handwerk Flechtens von Korbwaren ist allerdings im letzten Jahrhundert durch die Industrialisierung etwas verdrängt worden, auch wenn im 2. Weltkrieg die Korbflechter landesweit zur Herstellung von Korbwaren für Geschosse verpflichtet wurden. Zwar hatten die Korbflechter dadurch erst mal für diese Zeit ihr Auskommen, jedoch konnte nicht pünktlich gelieferte Korbwaren eine Verhaftung wegen Landesverrat zur Folge haben. Die Korbflechter erlebten dann in den 50er und 60er Jahren wieder einen wahren Aufschwung und hatten sogar eine eigene Innung und Gewerkschaften. Nach und nach spezialisierte man sich nun auf Artikel, die überall im Haus und Garten praktischen Einsatz fanden wie Wäschekörbe, Gartenkörbe, Rückentragekörbe, riesige Kuchenunterteller, Brotbackformen usw. Das heutige Angebot an Korbwaren ist um ein Vielfaches breiter gefächert und hat sich auch um viele, rein dekorative Artikel erweitert. Fantasievoll und elegant geflochtene Tische und Stühle, Truhen und Regale, Trennwände, Blumenständer, Pflanzkübel, Steh- und Hängelampen und vieles mehr schmücken immer besonders schön und natürlich das eigene Zuhause, das Büro, die Praxis, die Kanzlei etc.

Ein Korbflechter flechtet einen Polyrattan Pflanzgefäß auf seinem Schoß

Trotz technisierter Ernte der Rohmaterialien für Korbwaren, bzw. Erfindung industriell gefertigter Flechtmaterialien wie Polyrattan, bleibt das reine Flechten der Korbwaren immer reine Handarbeit. Die Arbeitsschritte gliedern sich folgendermaßen: Die Korbflechter fertigen zunächst den Korbboden, geflochten oder aus Holz, von dem aus sie den Korb nach oben flechten. Anschließend wird der sogenannte Kranz darauf montiert. Im letzten Arbeitsschritt veredeln die Korbmacher den Korb, indem sie je nach Kundenwunsch und Verwendungszweck zusätzliche Griffe und Henkel fertigen und den Korb abschließend beizen, wachsen, färben oder lackieren. Allesamt Arbeiten, für die das ganz menscheneigene Geschick und Können notwendig ist und durch keine Maschine ersetzt werden können...

„Der kreativste Künstler ist die Natur“
(Andreas Tenzer, deutscher Philosoph und Pädagoge, geb. 1954)
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