Die Weide

Die einheimische Trauerweide

Die Weide (Salix) zählt zu den ältesten voreiszeitlichen Blütenpflanzen und wächst heute in der Arktischen Tundra bis in die Tropen und an der Meeresküste bis in hochalpine Lagen. Die Weide, das Wort ‘wida’ kommt aus dem Mittelhochdeutschen, weist eine bei Holzgewächsen einmalige Arten- und Formenvielfalt auf. Sie kommt als mächtiger Weidenbaum des Auewaldes oder als Weidenstrauch verschiedener Größe bis hin zum Zwergstrauch an der Waldgrenze der Hochgebirge vor. Viele Weidenarten sind auf die Erstbesiedelung von extremen Standorten spezialisiert.

Ein Weidenbaum im Sommer.

Die systematische Gliederung der Weide wird bis heute erschwert durch ihre Vielgestaltigkeit und die Fähigkeit zur natürlichen Kreuzung zwischen vielen Weidenarten. Etwa 50 Sorten der Weide kommen in Europa vor, insgesamt gibt es aber zwischen 350 und 500 Weidenarten. Sogar innerhalb einer Weide-Art wird abhängig vom jeweiligen Alter, bzw. Wuchsformen in unterschiedlichen Höhenlagen oder geographische Breiten differenziert. Viele Weide-Arten produzieren kein verwertbares Stammholz, der Wuchs manch einer Weiden-Sorte ist dennoch beeindruckend: bis 25m in die Höhe und je nach Standort in nur 30 Jahren ein Baumdurchmesser von 40 bis 60cm!

Unsere heimischen Weiden sind meistens an Bach- und Flussläufen anzutreffen:

  • Die Silberweide (Salix alba)
  • Mandelweiden-Korbweidengebüsch (Salicetum triandro-viminalis)
  • Lavendelweide (Salix elaeagnos)
  • Aschweide (Salix cinerea)
  • Ohrweide (Salix aurita)
  • Bruch- oder Knackweide (Salix fragilis)
  • Kriech- oder Moorweide (Salix repens)
  • Lorbeerweide (Salix pentandra)
  • Salweide (Salix caprea)

Die jungen Zweige der meisten Weidenarten sind außergewöhnlich biegsam und zugfest. Durch diese besonderen Eigenschaften übersteht die Weide eine Überschwemmung ebenso unbeschadet wie Hangrutschungen, Überschüttung oder Steinschlag. Eine Verletzung der Weidenrinde hat dagegen sogar den erstaunlichen Effekt, dass die Bildung von Weideblüten und Weidefrüchten noch einmal verstärkt angeregt wird und die Weidepflanze nicht geschwächt wird. Die Weide hat eine sehr ausgeprägte Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung, mit Ausnahme der Salweide. Zurückgeschnittene Weidestämme treiben zuverlässig aus dem Weidenstock wieder aus und selbst aus kleinsten Zweigstückchen kann wieder ein ganzer Weidenbaum oder Weidenstrauch gebildet werden.

Die Hanfweide eignet sich besonders gut zum Flechten und wird deshalb auch "Korbweide" genannt. Seit vorchristlicher Zeit werden die biegsamen Triebe der Weide auch anderer Weidenarten als Flecht- und Bindematerial genutzt. Vor allem die Kelten sich durch eine besondere Kunstfertigkeit in der Weide-Korbflechterei einen „Namen“ gemacht.

Zum Flechten, Bauen und Binden von Zäunen, Skulpturen, Tipis, Tunnel oder Körben eignen sich die besonders langtriebige Weiden, da diese Weide-Arten leichte entrind- und spaltbar sind:

Ein Weidenkorb wird hangeflochten
  • Küblerweide (Salix smithiana) - wertvolle Bienenweide und beste Weide zum Bau von Körben etc.
  • Purpurweide (Salix purpurea) - klassische Bindeweide, bis zu 6 Meter
  • Hanf- und Korbweide (Salix viminalis) - typische Flechtweide und gutes Ausgangsmaterial für Tipis und Weidentunnel, Wuchshöhe 3 - 8 Meter.

Einen regelrechten Boom erlebte die Korbweidenkultur auch in Deutschland vom 17. bis ca. Mitte des 20. Jahrhunderts. Die damals stark ansteigende Nachfrage nach Weide-Produkten konnte nur mithilfe von Weidenkulturen („Weidenheger") gedeckt werden, da die wildwachsenden Weidenbestände trotz zusätzlichem Import von etwa 270 Eisenbahnwaggons an Flechtweiden aus dem Ausland nicht mehr ausreichte. Oberfranken war in dieser Zeit das Zentrum der Korbweidenindustrie, die allein im Jahr 1875 rund 25.000 Arbeiter beschäftigte. Heute ist die staatliche Fachschule für Korbflechterei in Lichtenfels (Mainfranken) zu finden.

Durch gezielte Kreuzungen der Weide, auch mit fremdländischen Weide-Arten, gibt es heute neben den wildwachsenden Weidesorten eine beachtliche Anzahl von Kultursorten aus unterschiedlichen Weide-Typen. Die Kopf-Weide ist die bekannteste Kulturform der Weide und heutzutage nur noch durch Pflegeschnitte zu erhalten.

Das Holz der Weide ist weich, leicht, von sehr gleichmäßiger Struktur, aber wenig dauerhaft und mit dem Holz der Pappel vergleichbar. Für ein gutes Flechtergebnis sollten die Ruten der Weide möglichst lang und gleichmäßig gewachsen sein und eine schöne Färbung aufweisen. Die jungen Zweige der Weide sind anfangs dicht grau behaart, später aber kahl. Die Weideruten werden für gröbere Arbeiten ungeschält und für feinere geschält (entrindet) verwendet. Um besonders feine Flechtgegenstände aus Weide zu fertigen, werden die Weideruten in zwei bis vier Schienen gespalten und danach verarbeitet (geschlagene Arbeiten).

Zur Gewinnung der Weide-Ruten werden die Weidenbäume regelmäßig zurückgeschnitten, denn an den Schnittstellen entstehen allmählich die Stammverdickungen, aus denen sich die typische Kopfweidenform entwickelt. Der Erntezeitpunkt der Weide-Ruten wird ja nach geforderter Stärke des Flecht-Materials bestimmt und kann zwischen einmal im Jahr erfolgen oder nur alle drei Jahre (Immer nach dem Laubfall im Herbst) für die Gewinnung sogenannten Bandstöcken. Die Bandstöcke aus Weide werden zum Beispiel längs aufgespalten als Fassreifen verwendet. Früher wurden aus dem Holz der Weide Prothesen, Holzschuhe, Schachteln, Kisten, Siebe, Schnitzereien, Fluss-Kähne, Zahnstocher und Zündhölzer gefertigt, sowie Strandkörbe und früher auch Kinder- und Puppenwagen. Die Industrie nutzt das Holz der Weide zur Erzeugung von Zellstoff und Holzschliff sowie zur Herstellung von Sperrholz, Span- und Faserplatten. Auch im Weinbau werden hier und da Weidenruten zum Aufbinden der Reben verwendet. Weidenrinde enthält außerdem Salicin, einen Wirkstoff, den schon Hippokrates zur Linderung von Schmerzen empfahl. Die Rinde der Weide selbst kann zur Teeherstellung verwendet werden.

Übrigens verwenden auch Wünschelrutengänger gerne einen gegabelten Weidenast. Denn das am Wasser gewachsene Weidenholz soll dieses am ehesten auch anzeigen.

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