Reisebericht: Im Mekong Delta beim Korbwarenhersteller

Bei meinem letzten Besuch in Vietnam stand eine Reise ins Mekong-Delta an. Diesen Begriff kennt man normalerweise aus alten Vietnamfilmen oder Reiseberichten, doch ist das Mündungsdelta des Mekong mit seinem riesigen Netz unzähliger Flussarme auch heute eine interessante, besuchenswerte Landschaft.

Der Gegend wegen war ich allerdings nicht unterwegs: Wie schon mehrfach berichtet, beziehen wir einen guten Teil der VIVANNO-Korbwaren aus Vietnam, zum Beispiel die schönen Regalkörbe aus Wasserhyazinthe.

Wasserhyazinthe im Mekong-Delta

Die Qualität dieser Produkte ist mittlerweile erstklassig, auch wenn sich das jetzt stark nach Eigenwerbung anhört. Die ständige Kontrolle und Konzentration auf wenige Hersteller haben zur Qualität der Korbwaren entscheidend beigetragen. Regelmäßige Geschäftsreisen zu den Partnern gehören dazu, denn sie dienen der gemeinsamen Produktoptimierung und schaffen zudem eine viel größere Verbindlichkeit als bloß schriftliche Kontakte.

Bei unserem Partner in Ho-Chi-Minh-CityUnser Partner in Ho-Chi-Minh-City hat in der Stadt nur ein Büro mit zwei Mitarbeitern und einen Showroom mit den Produkten. Die eigentliche Fabrik befindet sich 250 Kilometer weiter südlich im Mekong Delta.

Die Fahrt dorthin hat immerhin viereinhalb Stunden gedauert – trotz „Schnellstraße“! Dafür war sie sehr interessant, denn die ganze Strecke ist rechts und links der Straße besiedelt. Dazwischen sah man allerdings unendlich viele Reisfelder liegen, der dort im feuchten tropischem Gebiet besonders gut gedeiht. Vietnam ist mittlerweile der zweitgrößte Reishersteller weltweit.

Neben dem Reis werden auch besonders viele und köstliche Früchte, Kokosnüsse und Gemüse angebaut.

100 Tonnen Wasserhyazinthe aus familiärer Heimarbeit

Zurück zu den Korbwaren: Angekommen bei der Fabrik war ich dann doch überrascht, wie wenig Menschen dort arbeiteten. Mit 20 Männern und Frauen konnten unmöglich 100 Tonnen Wasserhyazinthe verarbeitet werden!

Ich konnte dann in Erfahrung bringen, dass die eigentliche Flechtarbeit von hunderten Familien in Heimarbeit geleistet wird. Die 20 Mitarbeiter in der Fabrik sind nur für die Qualitätskontrolle, das Bringen der Wasserhyazinthe und das Abholen der Fertigwaren zuständig.

Korbflechterin

Bei Heimarbeit in Asien stellt man sich natürlich gleich schlimme Verhältnisse vor. Deshalb wollte ich auch die Familien besuchen, die unsere Korbwaren herstellen, um einen Eindruck zu bekommen, wie diese Familien leben. Unser Partner, mit dem mittlerweile eine Freundschaft besteht, hat zu meiner Freude sofort eingewilligt, zu den Familien zu fahren. Es konnte also losgehen.

Das Dorf – den Namen habe ich leider vergessen und er ist auch fast nicht auszusprechen – liegt an der Hauptstaße, die bis zu den Mangrovensümpfen führt. Die Häuser der Flechtfamilien liegen allerdings weiter draussen in den Reisfeldern. Auf wirklich sehr schmalen, zum Teil nicht ausgebauten Straßen haben wir uns dann per Auto durchgearbeitet. Normalerweise fahren dort nur Motorroller, ein Auto besitzt dort fast niemand.

Dorfstraße im Mekong-Delta

Die Familien leben meistens in einzelnen Häuser und haben dort auch nur 2-3 Kinder. In der Regel arbeiten die Männer auf den Feldern oder haben einen Job im Dorf. Es kommt aber auch vor, dass beide erwachsenen Familienmitglieder mit Korbwaren beschäftigt sind.

Einblick ins vietnamesische Dorfleben

Die Lebensverhältnisse sind natürlich nicht mit unseren zu vergleichen. Es gibt z. B. kein fließendes Wasser, aber es gibt Elektrizität. Das Wasser wird als Regenwasser in riesigen Tonkrügen aufgefangen und von da abgezapft. Da es genügend regnet, herrscht kein Wassermangel. Das Leben ist nach unseren Maßstäben natürlich sehr bescheiden, die Menschen machen aber keinen unglücklichen Eindruck und sind sehr gastfreundlich. Viele haben auch Hühner und ein oder zwei Kühe ums Haus herum. Überall stehen auch Bananenbäume,  viele Kokospalmen und andere Früchte.

Bananen und Kokosnüsse

Nachdem ich auch nur erwähnt habe, dass ich noch nie frische Kokosmilch getrunken habe, wurde sofort eine Kokosnuss heruntergeholt und aufgeschlagen. Woanders wurden Früchte gereicht und Getränke, die bis heute nicht identifizieren konnte.

Wie man arbeitet und was verdient wird

Die Familien bekommen die pulverbeschichteten Rahmen und die Wasserhyazinthe als Rohmaterial geliefert. Die Wasserhyazinthe wird dann aufwendig um die Rahmen herum geflochten, eine Arbeit, die große Geschicklichkeit erfordert. Geflochten wird meistens draussen, denn es ist das ganze Jahr über warm, im Januar herrschen z.B. immer noch 30 bis 33 Grad.

Heimarbeit im Freien

Die Flechter und Flechterinnen werden nach Kilogramm verarbeiteter Wasserhyazinthe bezahlt. Bei acht Stunden pro Tag erreicht eine Person ungefähr 150 – 200 USD im Monat. Hört sich wirklich wenig an und ist natürlich auch für unsere Verhältnisse sehr wenig. Im Mekong Delta reicht es allerdings aus, um davon ein bescheidenes Leben zu führen. Der Mindestlohn in Vietnam beträgt 110 USD.

Die Flechtarbeiten sind im Unterschied zu vielen Jobs in der Industrie noch sehr in Ordnung, wie ich finde. Bei der Arbeit werden keine chemischen Zusätze verwendet, man kann draussen arbeiten und erschafft eigenständig ein attraktives Produkt. Für einen Container mit Korbwaren sind so mehr als 200 Menschen einen Monat lang beschäftigt.

Die fertigen Regalkörbe aus Wasserhyazinthe

Insgesamt habe ich zehn Familien besucht und kann behaupten, keine Kinder bei diesen Arbeiten gesehen zu haben. Die Reise war insgesamt sehr beeindruckend und ich bin mit einem guten Gefühl wieder nach Hause gefahren.

Diesen Artikel weiterempfehlen:

  • Twitter
  • Facebook
  • GooglePlus
  • Delicious


[diese Buttons übermitteln vor dem Klick KEINE Daten!]

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.